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Das Ruhr-Atoll - Ein Projekt der Kulturhaupstadt Europas 2010

20 ICEBERG ANDREAS KAISER / LARS KINDERMANN (PHYSIKER) Auf dem See schwimmt ein Eisberg. Mächtig und schroff ragt er mit seinen Abbruchkanten aus dem Wasser hervor. Auf seinem Pla- teau steht eingegraben in das ewige Eis ein orangefarbenes Zelt. Das Relikt eines Forschers ist nachts beleuchtet. Es dringen Na- turgeräusche aus dem Berg − oder aus dem Zelt? Das Heulen des Windes, das Grollen eines Donners, das Prasseln des Regens oder das Rauschen des Meeres. Naturgeräusche, die zugleich regenerier- bare Ressourcen als auch zerstörerische Naturkräfte darstellen. In den ICEBERG ist ein Container eingebaut, der ähnliche Ausmaße hat wie die PALAOA Messstation (Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean) des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Die For- schungsarbeiten entschlüsseln dort unter einmaligen Bedingungen die globalenVeränderungen, die teils natürlich und teils durch Men- schen hervorgerufen sind. Tagsüber ist ICEBERG begehbar. Jeweils vier Besucher können für einige Minuten das Innere des Eisbergs betreten. Dort erwartet sie ein geheimnisvoller Raum, der in bläuliches Licht getaucht ist. Die Geräusche stammen von Meeresbewohnern 200 m unter der Schelf- eiskante aus einer Gegend, die noch nie jemand gesehen hat. Die Station nimmt dort 24 Stunden täglich akustische Daten von allen vorbeiziehenden Lebewesen und Eisbergen auf. Durch die Zusam- menarbeit mit dem AWI ist es möglich, Original-Bänder zu verwen- den, die jährlich aus der Antarktis geholt werden. Durch drei Fen- steröffnungen werden verschiedene Räume sichtbar: Ein Einblick in das Innere des Eisbergs, ein Blick in die visuellen Datenströme von PALAOA und ein Blick in die Datenspeicherung des AWI in Bremer- haven. Die Metapher vom einsamen Forscher im winzigen Zelt und der kurze Blick in die gigantische Sound-Daten-Flut werfen Fragen auf: Kann ich mich in mein Zelt zurückziehen und darauf warten, dass die Forschung es schon richtet? Können Messergebnisse das Handeln bestimmen oder sind es nicht letztlich medial erzeugte „Ereignisse“, die Veränderungen errei- chen? Hat die Zahl der Naturkatastrophen wirklich zugenommen oder spielt uns das eine global vernetzte Medienwelt nur vor? Wahrheit durch Messbarkeit?

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